Zurück in Addis!

Ich bin also seit 3 Tagen wieder in Addis Abeba. Es gibt viel zu tun und die Tage sind sehr schnell vergangen. Nachdem ich am Mittwoch dann doch einen Minibus bekommen habe und nach 7 anstrengenden Stunden in Addis angekommen bin, habe ich gleich eine Überraschung erlebt. Abba Eyob hat mich abgeholt, obwohl ich ihm gesagt habe, er braucht das nicht zu tun. Als ich ausgestiegen bin hat er schon auf mich gewartet und mich auf ein Getränk eingeladen und nachdem ich ihm einiges von der Hochzeit erzählt habe dann auch noch nach Hause geführt. Die Kinder und Salam haben sich sehr gefreut mich wieder zu sehen. Ababa ist krank und war nicht da. Am Abend hab ich mit Salam noch alle Neuigkeiten ausgetauscht und Fotos angeschaut. Ich bin wirklich erstaunt wie gut Salam und ich miteinander auskommen. Sie ist ein Geschenk des Himmels. Ich vertraue ihr wirklich, ich glaube nicht, dass das so selbstverständlich ist wenn zwei Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen und eigentlich Tag und Nacht miteinander leben.
Gestern (Donnerstag) war ich am Nachmittag unterwegs, Stromrechnung bezahlen und Fotos entwickeln lassen. Mittlerweile bin ich schon gut im Verhandeln und hab einen guten Preis für die Fotos bekommen, ja der Fotograf wollte sogar gratis ein Porträt von mir machen, aber ich hab dankend abgelehnt. Auch meine Freundin Uli hab ich kurz getroffen, sie ist nun wieder in Äthiopien. Wirklich lustig, denn in Österreich haben wir uns nicht gesehen. Den Abend haben wir damit verbracht Musik zu hören und zu tanzen. Ich hab meine ganzen Schals geholt und jedes Kind hat einen bekommen und dann haben wir getanzt und ich hab meine erlernten Tanzkünste von Debre Markos ausgepackt. Es war wirklich lustig.


 

Heute am Freitag war ich mit Ambase unterwegs, wir haben eingekauft, nochmal zum Elektrizitätshaus, die Fotos abgeholt usw. Unsere Nachbarn haben uns mitgenommen in die Stadt, weil wir keinen Minibus bekommen haben. Überhaupt ist es nun so, dass mich die Leute schon kennen und wir immer mehr Kontakte schließen. Vor unserem Haus ist gerade eine riesige Baustelle. Die Straße, die ja eigentlich keine Straße war wurde heute eben gemacht.

Für die Kinder gab es viel zum Schauen, einen Bagger und einen großen Erdhaufen vor unserer Tür. Wir sind dann ins Gespräch mit unserem Nachbar gekommen, der uns sehr geholfen hat. Bei unserer Balkontür ist nämlich das Glas gebrochen. Er hat heute alles in Bewegung gesetzt, damit es so schnell wie möglich repariert wird und …. er hat uns einen kleinen Fernseher geschenkt. Man kann sich vor stellen, wie sehr sich Salam und die Kinder gefreut haben. Also haben wir jetzt einen Fernseher. Am Nachmittag ist dann die Frau gekommen von dem Waisenhaus, die uns Rahel gebracht hat, denn Rahel ist etwas krank und hat sie zum Doktor gebracht. Sie hat gesagt unser Haus ist heute sehr sauber (das letzte Mal als sie hier war, hat sie einiges bemängelt) und ich war sehr froh darüber, bin ich doch sehr dahinter, dass alles passt. Am Nachmittag haben wir dann Fotos angeschaut und zwei Bilderrahmen gestaltet und aufgehängt und noch herumgeblödelt.

Denka präsentiert die Nachrichten ;)

Abendprogramm mit Deribie ;)

Zensur!

Zwischendurch noch ein bissl Werbung!

 

Außerdem haben wir die Musik von Teddy Afro gehört, ich hab seine CD gekauft. Er ist Äthiopier und im Moment hört ganz Äthiopien (wirklich ganz! Äthiopien) seine CD. In jedem Minibus oder Geschäft hört man nur diese Musik. Wir sind also ganz aktuell ;) ( – unbedingt auf youtube mal reinhören!)
Beim Essen hatten wir viel Spaß und überhaupt bin ich im Moment sehr zufrieden. Die Kinder lernen mehr und mehr die Abläufe, waschen sich selbstständig die Hände und ziehen sich um, Tadesse und Ambase duschen sich ganz alleine usw. Viele kleine Erfolge für die ich sehr dankbar bin 

Ein Tag ist nicht genug!

Viele haben mir zu dem Artikel der Hochzeit geschrieben. Tja, ein Tag Feiern ist allerdings nicht genug….also berichte ich euch noch gerne von den anderen Tagen.

Am Montag nach der Hochzeit waren wir alle recht müde. Es gab viele Aufräumarbeiten und es wurde geputzt. Ich hab mich zu meiner Sister Superior gesetzt und mit ihr gemeinsam einen risen Kochtopfdeckel gereinigt und mit ihr getratscht. Mit einem Messer haben wir versucht das angekrustete Öl wegzubekommen. War nicht einfach, meine Finger sind überall aufgeschnitten. Seltsamerweise machen mir genau diese Arbeiten am meisten Freude. Irgendwie habe ich da immer das Gefühl, dass ich wirklich hilfreich sein kann. Am Nachmittag war ich wieder beim Haus von Asaye und zwar mit allen Kindergartenkindern. Sie durften dorthin, weil sie am Tag davor am Abend Zuhause bleiben mussten. Alle haben zu Essen bekommen und dann haben wir noch gesungen und getanzt.

Dienstag war ich am Vormittag in der Stadt unterwegs. Wir wollten ein Busticket kaufen, aber es gibt im Moment keine Tickets, da so große Nachfrage herrscht. Sie haben uns gesagt es warten 500 Leute auf ein Ticket, da alle zu Ostern ihre Familien auf dem Land besuchen und jetzt zurück in die Stadt fahren. Man kann sich nur mit dem Minibus auf den Weg machen. Das kostet jetzt gerade aber 200 Birr (ca. 9 Euro) und das ist ganz schön viel Geld hier, ja fast das doppelte, das man bezahlen müsste, würde man zu einer anderen Zeit fahren….
Marie hat mich, Abba und Tasfay zum Mittagessen in die Stadt eingeladen. Es war ein lustiger Lunch. Wir haben Salat als Vorspeise gegessen und Marie und ich haben so geschwärmt, denn Salat wie wir ihn kennen, ist hier nicht unbedingt üblich. Wir hatten danach Kaffee und es war eine wirklich schöne Zeit.

Am Abend wurde für das Fest hergerichet. In Äthiopien ist es so, dass man 2 Tage nach der Hochzeit mit seiner Familie feiert. Nun ist es so dass nicht alle Paare Eltern haben oder Familie und so haben die Schwestern die Paare eingeladen im Compund zu feiern. Gemeinsam mit allen Kindern!

Brautjungfern

 

Am Abend um 8 sind also 2 der Paare gekommen, alle Trauzeugen und Verwandte und wir haben gemeinsam gefeiert. Ich habe Kerzen gespendet und es gab eine große Prozession. Alle Kinder und Frauen haben traditionelle weiße Kleidung getragen, also bin ich auch in mein traditionelles Gewand geschlüpft, es war ein riesen Spaß!

 

 

Lichterprozession

Nach äthiopischem Brauch wurde ein Schaf von den Brautleuten geschalchtet und dann mussten sie darübersteigen. Es gab Doro – Wot (Huhn in Zwiebelsoße) und riesiges Brot (So lecker!)

 

Danach noch Ansprachen und noch mehr Tanz, bis spät in die Nacht hinein. Ja ich hab diesmal sogar freiwillig in der Mitte mit Asaye dem Bräutigam getanzt. Sogar die Schwestern haben mit gemacht, es war wirklich ein gelungener Abend!

 

So bin ich nun wieder in Bole Bulbula und sehe eine Menge Aufgaben und Arbeit vor mir. Aber ich freue mich darauf, hab mir auch einiges aus Debre Markos mitgenommen, verglichen, abgeschaut … usw. Ich bin wirklich dankbar für die Zeit in Debre Markos, war es für mich doch eine Zeit der Erholung und Freude und nun kann ich mit neuer Kraft zurück an die Arbeit in Addis. Es war wirklich ein wahres Geschenk, die letzten Tage miterleben zu dürfen.

P.S: Danke für alle Rückmeldungen zum Blog. Ich poste euch gerne weiterhin Bilder und Berichte :) Gottes Segen!

Wedding! – Hochzeit!

 

Die letzten Tage habe ich in Debre Markos, meiner früheren Mission verbracht, denn es gab einen besonderen Anlass! Eine dreifache Hochzeit! Besonders eines der Paare sind gute Freunde von mir. Am Samstag wurde alles fertig vorbereitet. Am Vormittag habe ich geholfen Zwiebeln zu schälen, sicher 10 Kilogramm und das mit einem Plastikmesser. Ich musste auch weinen, aber nur der Zwiebeln wegen, sonst war es eine großartige Zeit! Viele Gespräche in Amharisch und alte Bekanntschaften konnte ich auch auffrischen. Den restlichen Vormittag habe ich mit den Männern Fleisch geschnitten. Das war wirklich eine Erfahrung! In Äthiopien ist es so, dass das Töten der Tiere den Männern überlassen wird. Für die Hochzeit haben sie einen Ochsen geschlachtet. Jetzt kenne ich alle Einzelteile dieses Tieres. Man muss sich das so vorstellen: Ich sitze zwischen zwanzig jungen Männern mit stumpfen Messern und zerteile Fleisch, Darm, Herz des Tieres auf einem langen Holzbrett. Die Äthiopier essen Fleisch auch roh, das heißt dann Kitfo (faschiertes rohes Fleisch). Einer der Burschen hat zu mir gesagt „Schau das ist die Zunge“ und sie sich in den Mund gesteckt und es sich schmecken lassen…jaja. Am Nachmittag habe ich dann den Schwestern geholfen die Kirche mit Blumen zu schmücken und den Kindern beim Putzen der Kirche. Auf Knien sind wir den Teppich entlang gerutscht und haben ihn gereinigt. Eine anstrengende, aber schöne Arbeit. Abba und ich waren dann in der Stadt und haben Geschenkband gekauft aus dem ich am Abend noch Maschen für die Kirchenbänke gemacht habe. In Äthiopien passiert immer alles in letzter Minute. Aber es macht eben nichts, es ist halt so.

 

Bei uns wären so manche Brautpaare schon ausgerastet, wenn die Kirche am Tag vor der Hochzeit nicht fertig dekoriert ist, oder die Trauzeugen nicht auftauchen. Hier ist das kein Problem, nur kein Stress! Mitten in der Nacht waren wir dann fertig. Abba ist um 2.00 Uhr morgen losgefahren und hat die Brautjungfern des einen Paares abgeholt, vom Frisör. Gekommen sind sie um 03.30 Uhr, weil heute so viele Paare geheiratet haben. Um 6.00 dann wieder auf. In letzter Minute haben sie mir dann ihre Krawatten in die Hand gedrückt und gesagt, bitte mach uns einen Krawattenknoten. Tja, leider hab ich das noch nicht gelernt. (Das sollte mir mein Vater wohl beibringen, wenn ich wieder daheim bin!) Gott sei Dank ist mir eingefallen, dass Marie, eine österreichische Krankenschwester die im Moment hier als Volontär arbeitet mir vielleicht helfen könnte. Der Plan ist aufgegangen.

Die Trauung war wunderschön, hat ungefähr 3,5 Stunden gedauert.

 

Danach gab es gemeinsames Essen und Tanz. Die Äthiopier wissen wie man feiert. Sie tanzen ihre traditionellen Tänze, vor allem im Kreis und mit Trommel. Einer schreit etwas vor, die anderen machen es nach. Sie besingen die Brautläute und wedeln mit Palmzweigen.

 

Traditionell: Die Brautleute füttern sich gegenseitig

Das ist den ganzen Tag so gegangen. Zum Essen gab es Riesenschüsseln mit Injera und Fleisch, Gemüse und Brot. Das Essen hat für alle Gäste und Kinder gereicht. Die Schwestern waren wirklich großzügig. Nach dem Essen wurden Fotos gemacht, in den verschiedensten Posen und natürlich noch mehr Tanz.

Sowohl die Großen wie auch die Kinder haben mitgemacht und es war sehr stimmungsvoll. Am späten Nachmittag sind dann Autos gekommen. Wir sind eingestiegen (auch alle Kinder) und gemeinsam losgefahren zu den Häusern der Brautpaare. Die Autofahrt war spektakulär. Die Leute waren am Hinterteil des Autos und am Dach. Sie haben gesungen, gehupt auf das Dach geklopft. So sind wir durch Debre Markos gefahren und haben auf uns aufmerksam gemacht

 

Nathi im Anzug :)

 

Autofahrt durch Debre Markos

Zuerst waren wir bei einem Brautpaar. Alle Leute von der Hochzeit waren da und die Nachbarn der Brautleute, also ziemlich viele. Im ersten Haus wurde ich ganz verwundert begutachtet. Forenjie! Die Leute sind vom Land und nicht gewöhnt, dass Weiße um sie herum sind, und dann noch so nah. Aber die Arbeiter vom Compound haben mich in ihre Mitte genommen und mir einen Platz gesucht.

Von dort sind wir dann aufgebrochen zu einem anderen Haus. Dort war es wirklich toll. Sie haben ein Zelt aufgestellt, dass heißt Holzgestell und Planen drüber und viele Bänke. Es gab nochmal Essen und Musik. Irgendwann haben sie mich auf die Tanzfläche geholt. Alle haben im Kreis getanzt und ich musste in der Mitte tanzen. Die Äthiopier haben einen besonderen Tanzstil. Sie zucken mit den Schultern und das ganz schnell. Man kann sich vorstellen, dass das für mich unmöglich ist, aber sie haben sich total gefreut, dass ich es versucht habe. Es hat Spaß gemacht.

Später wurde dann noch moderne Musik aufgelegt und ich hab begonnen zu tanzen und die jungen Äthiopier haben eingestimmt, ja sogar Abba hat mitgemacht. Wir hatten echt viel Spaß und Freude. Ich wollte gar nicht zurückfahren, aber die jungen Mädchen vom Compound mussten ja nach Hause.

 


Es war ein wunderbarer Tag und ich hatte viel Spaß und Zeit neue Menschen kennen zu lernen und ins Gespräch zu kommen. Es war wirklich eine tolle Erfahrung, zumal die letzte Hochzeit in Debre Markos schon einige Zeit zurückliegt und es wirklich eine einmalige Gelegenheit war hier zu sein.

 

In Bole Bulbula ist alles in Ordnung. Meine zwei lieben äthiopischen Arbeiterinnen haben mich sehr unterstützt dass ich hierher kommen konnte.
Auf der Fahrt hierher ist mir auch ganz bewusst der Unterschied von Addis und dem Landleben klar geworden. Addis Abeba ist doch die Hauptstadt und viele der Menschen die dort leben, können sich mehr leisten als hier am Land. Hier tragen die Menschen selten Schuhe, haben alle altmodische und schlechte Kleidung. Das Wohnen ist anders und auch das Denken.
Hier in Debre Markos bin ich immer wieder schnell Zuhause. Ich kenne mich hier einfach aus. Mir ist auch der Unterschied bewusst geworden zu der Arbeit in Bole Bulbula. Hier konnte ich am Abend einfach abschalten. Die Arbeit war beendet. In Addis bin ich 24 Stunden im Einsatz. Sie haben mich in den letzten Tagen oft gefragt: „Was gefällt dir besser, Addis oder Debre Markos?“ Ich hab viel darüber nachgedacht und ganz ehrlich, ich kann es nicht sagen. Es sind zwei unterschiedliche Dinge, unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Aufgaben. Jeder Ort, jede Mission hat etwas für sich. Ich bin sehr dankbar für die Zeit in Debre Markos, weiß ich doch, dass es eine Vorbereitung war auf das Projekt in Addis, mit Betel. So nimmt alles seinen Lauf und ich weiß, dass ich hier immer willkommen sein werde und dass mich die Kinder und Schwestern und Abba gerne haben, genauso wie ich sie. Liebe kennt keine Grenzen, das haben wir auch heute bei der Hochzeit gehört.

Noch zu Marie aus Österreich: Sie ist Krankenschwester und wenn sie in 2 Wochen nach Addis kommt, um wieder nach Hause zu fliegen wird sie mich in Bole Bulbula besuchen. Ich habe sie iengeladen bei uns zu übernachten. Ihr medizinisches Spezialgebiet ist die Arbeit in der Psychatrie und mit Menschen mit Behinderung und ich hoffe sie kann mir einige Tipps geben :)

Z,Z&Z …. Zähneputzen,Zöpfchen und Zillertaler Hochzeitsmarsch

Seit Montag Abend putzen sich unsere Kinder am Abend die Zähne. Zu Beginn war das eine Herausforderung. Ich habe für jeden eine eigene Zahnbürste in eigener Farbe gekauft und Zahnpasta mit Erdbeergeschmack.

 

Der erste Abend war ziemlich katastrophal. Anscheinend reagiert Zahnfleisch sehr empfindlich, wenn es noch nie eine Zahnbürste gespürt hat. Tadesse hat so fest geputzt, dass er geblutet hat und der Boden war voll Blut. Hat ziemlich schlimm ausgesehen, heute am Mittwoch war es aber schon besser. Überhaupt funktionierten die üblichen Abendrituale mittlerweile schon einigermaßen, d.h.: nach dem Essen Hände waschen, aufs Klo gehen, Pyjama anziehen, anderes Gewand in den Schrank räumen und Zähneputzen. Dann warten sie alle aufs gute Nacht – Sagen und ich gebe jedem ein Kreuzzeichen.

Montag Abend habe ich versucht mit ihnen „Armer schwarzer Kater“ zu spielen. Es war so lustig, wir hatten echt viel Spaß und jeder hat mitgemacht!

 

Größere Probleme gab es mit Deribe. Ihre Medizin war zu Ende, aber der 6. Kilo (MCO – Sisters) über die Feiertage geschlossen und ich konnte keine neue Medizin bekommen. Die Auswirkungen waren wirklich zu spüren. Alles war langsam, sie hat überhaupt nicht reagiert, Sachen, die sie sicher wusste hat sie nicht mehr ausgeführt. Ich hab gesagt: „Wasch dir die Hände“ – sie ist vorm Waschebecken gestanden und hat das fließende Wasser angeschaut, alles Essen runtergeschmissen. Am Morgen hat sie sich geschnäuzt und den Schmutz vor mir einfach auf den Boden „gerotzt“ (tut mir leid es gibt kein anderes Wort dafür) Ich war so außer mir und hab mit ihr geschimpft, da hat sie geweint. Heute Nacht hat sie das Klo nicht gefunden und uns am Morgen dann erzählt es war geschlossen. Nun ist es wieder ein bisschen besser.

Salam hat heute Milen kleine Zöpfchen geflochten. Sie sieht so süß aus. Heute Morgen (ich hab im Kinderzimmer geschlafen) ist sie zu mir ins Bett gekommen und hat dort ruhig weitergeschlafen. Es war ein besonderer Moment.

Am Abend haben wir zu Oromo – Musik getanzt. Die Burschen haben in ihrem Schlafraum ja ein großes Fenster und unsere Nachbarn von gegenüber haben uns zugesehen und müssen das wohl sehr lustig gefunden haben. Danach hab ich ihnen gezeigt wie man zum Zillertaler – Hochzeitsmarsch tanzt. Es war wirklich ein lustiger Abend. Zum Essen gab es dann auch noch etwas besonderes: Ein Gemenge aus Mehl, Salz und Wasser mit Chilli und Öl. Traditionell. Hat mich ein bisschen an Mohnnudelteig oder Germknödel erinnert. Ambasse war heute sehr traurig. Er hat Sehnsucht nach den Comboni – Schwestern und seinen Freunden. Ich kann ihn verstehen. Er ist so intelligent und für mich eigentlich nicht wirklich mental behindert. Wir haben ja herausgefunden, dass er sogar lesen und schreiben kann. Ich habe mir vorgenommen zur Schule zu gehen und zu fragen, ob sie ihn vielleicht aufnehmen würden. Er muss wirklich lernen, das ist wichtig für ihn.

Gerade höre ich eine Hyiene heulen. Ich muss jetzt ins Kinderzimmer, wünsche euch eine gute Zeit!

Ostern!

Mit einer Woche Unterschied haben wir dieses Wochenende Ostern gefeiert. Am Karfreitag wollten wir alle gemeinsam in die orthodoxe Kirche gehen. Wir hatten das gut geplant. Leider ist uns ein Regenschauer dazwischengekommen, der wie sich herausgestellt hat nur in Bole Bulbula stattgefunden hat. Ja es hat sogar gehagelt und nicht nur ein bisschen. Außerdem hat es sehr abgekühlt und weil wir kein Auto haben und mit allen Kindern mit dem Minibus gefahren wären haben wir es dann gelassen. Ich war sehr traurig darüber, ist der Karfreitag in Äthiopien doch etwas ganz besonderes.


Donnerstag haben Salam und ich alles für die Feiertage eingekauft. Viele Sachen für den Ostersonntag. Salam und ich verstehen uns so gut und ich bin froh sie zu haben. Sie ist meine äthiopische Schwester und wir nennen uns auch so und erzählen uns viele Dinge. Ich bin wirklich froh darüber.
Samstag Nachmittag habe ich alle Kinder geduscht und das neue Gewand für Sonntag hergerichtet. Duschen dauert ungefähr eine Stunde. Bis jeder gewaschen und wieder angezogen ist. Manche der Kinder sind schon sehr selbstständig, andere brauchen Hilfe. Am Abend bin ich mit Ambase aufgebrochen zur katholischen Kirche St. Michael. Vorher haben wir noch unser Brot abgeholt für Sonntag. Den Abend haben wir mit den Priestern verbracht, die mich eingeladen haben. Wir haben gemeinsam gegessen und Ambase durfte fernsehen. Ich hab in der Zwischenzeit geschalfen. Um 23.30 war dann vor der Kirche eine Prozession mit Kerzen und danach die Auferstehungsmesse in Amharisch, die is um 02.45 Uhr gedauert hat.

Kerzenprozession

 

Um mich herum sind ein paar Leute eingeschlafen. Anschließend gab es noch Tanz und wir haben gemeinsam Doro – Wot (Huhn in Zwiebelsoße) gegessen und Ambase und ich haben dann gemeinsam in einem Bett im Seminar übernachtet und sind am Ostermorgen zurück zu unserem Haus gefahren. Es war eine schöne Nacht.


Der Sonntag war ganz besonders. Letzte Woche habe ich Eier gekocht und mit roten Zwiebelschalen gefärbt (Sie wurden wunderschön Safrangelb!) Zum Frühstück haben wir Eier „gedutscht“. Denka hat gewonnen. Dieser Brauch ist nicht bekannt. Salam hat mich gefragt, als ich versucht habe die Eier zu färben: „ Aber warum machst du das? Das Ei ist innen ja doch weiß!“ – Anderes Land andere Sitten!


Zu Mittag ist meine Freundin Verena gekommen. Wir haben Salat gemacht und diesen mit Injera und Doro – Wot gegessen. Den Kindern hat es sehr geschmeckt. Am Nachmittag gab es dann Coffee – Ceremony. Das heißt der Kaffee wird Brot, Schokolade, Zuckerl und Popcorn. Außerdem ethiopische Musik.

 

 

Wir haben so viel gegessen, es war herrlich. Außerdem gesungen und getrommelt.

 

 

Am Nachmittag sind zwei der Ursulinen – Schwestern auf Besuch gekommen. Sie haben mit uns gefeiert getratscht. Verna ist Volksschullehrerin und hat mit den Kindern gespielt. Sie hat viele Ideen und sie war bis am Abend um 19.00 Uhr bei uns. Die Kinder haben ihre Spiele sehr genossen und wir hatten wirklich viel Spaß. Es war sehr viel Leben im Haus und alle haben mitgemacht, jeder auf seine Weise. Es wahren wirklich „frohe“ Ostern und ich bin unendlich dankbar für diesen wunderschönen Tag. Auch für Verena, denn sie ist in den letzten Wochen zu einer wirklich guten Freundin für mich geworden und es tut immer wieder gut in meiner Muttersprache zu bereden wie es mir geht, was mir durch den Kopf geht.

Spiele mit Verena

Die Freude über die Auferstehung unseres Herrn war heute wirklich spürbar, auch wenn es ein anderes Osterfest war, als in den letzten Jahren. Sogar Rahel ist ohne weinen und ohne herumgetragen zu werden eingeschlafen! Danke Herr!

Ich wünsche euch eine gesegnete Osterzeit!

News :)

Die 6. Woche! Wie die Zeit vergeht! Die Woche war ein auf und ab. Am Montag musste ich mit Barfirke ins Krankenhaus zum Check up. Diagnose: Autismus und Epilepsie. Er musste ein CT machen, dann hat er eine Spritze bekommen weil er sich zu sehr bewegt hätte. Es war ein Warten und hin und her Gelaufe. Den ganzen Vormittag habe ich im Krankenhaus verbracht. Dann wurden mir irgendwelche medizinischen Begriffe in Englisch erklärt. Ich musste mich sehr anstrengen, um alles mitzubekommen. Am Montag geht es wieder dorthin.

 

Bafirke

Mit Rahel, unserem Baby war es diese Woche auch nicht leicht. Sie ist unermüdlich schläft fast gar nicht, weder in der Nacht noch am Tag. Ständig will sie herumgetragen werden. Aber die anderen Kinder brauchen genau so viel Aufmerksamkeit. Also habe ich den Versuch gestartet ihr beizubringen in ihrem Bettchen einzuschlafen (Danke meiner Schwester, die mir mit Rat und Tat beiseite steht). Sie schläft immer nur kurz, aber es wird … langsam, langsam.

 

Rahel

Rahel, 8 Monate

Aber wir wachsen auch zusammen als Familie. Die Großen schauen auf die Kleinen. Tadesse und Ambase sind sehr fürsorglich. Sie beginnen voneinander zu lernen und schauen sich verschiedenes ab. Besonders hilfreich ist Ambase. Er sprich Oromifa und Amharisch und muss ständig für uns übersetzen. Außerdem kann er auch Englisch und ein kleines bisschen Italienisch. Er ist wirklich klug. Er war mit mir die Woche einkaufen. Wir haben Huhn gekauft für Ostern. Er freut sich immer, wenn er raus darf, mit dem Minibus fahren, Cola trinken. Aber er ist sehr still und er will viel Liebe, obwohl er ja eigentlich schon sehr groß ist, sucht er den Kontakt zu mir sehr intensiv. Letzte Woche hab ich mich auf seine Matratze gelegt am Morgen und er hat meinen Kopf gestreichelt und es genossen, dass ich neben ihm bin. Überhaupt merkt man, dass wir eine Familie sind, was ja auch gut ist. Kommt jemand zurück wird er von allen umarmt und alle freuen sich sehr. Die kleinen und manchmal großen Kämpfe sind da schnell vergessen!

Faulenzen

Außerdem habe ich diese Woche mein erstes Injera alleine gemacht. Naja….es war wirklich „big“! Auch Injerakochen muss man lernen. Den Teig gleichmäßig aufzutragen. Aber geschmeckt hat es uns trotzdem!

Mein Injera - sieht man, oder?

 

Am Dienstag hatte Verena Geburtstag und ich hatte frei. Gemeinsam waren wir einkaufen und ich habe ein schönes Kleid für die Hochzeit nächste Woche in Debre Markos gefunden. Auch solche Tage müssen sein und tuen wirklich gut.

 

Traditionelles Kleid :)

 

„Ewnetegna Tamir“ – „Ein wahres Wunder“

„Ewnetegna Tamir“ – „Ein wahres Wunder

Das ist der Name des neuen Betel – Hauses in Bole Bulbula, Addis Abeba, Äthiopien. Betel ist eine katholische Charity, die seit über 20 Jahren Häuser gründet, in denen behinderte Menschen zusammenleben – als Familie. Dieser Gedanke ist zentral und richtungsweisend, auch für das Leben hier. Wer mehr über „Betel – Cahrity“ erfahren möchte, sollte auf der Homepage nachlesen: http://www.betel-charity.org/england

Ein wunderbarer Name und er wurde nicht ohne Grund ausgesucht. Wahrhaftig ist es ein wahres Wunder, dass es dieses Haus gibt und die Leute die darin zusammenleben. In diesem Blog möchte ich das Leben und „meine“ äthiopische Familie vorstellen.

 

Wie alles begann …

Ich habe „Betel“ bis Dezember dieses Jahres nicht gekannt, glaube aber, dass die Zeit die ich hier verbringen darf schon lange geplant war. Schließlich habe ich, als ich mich mit meiner Freundin Uli in Addis Abeba im Dezember in Addis getroffen habe (Uli kenne ich seit meinem ersten Tag in Äthiopien) auch Verena kennen gelernt, die zufällig mitgekommen ist und über sie einige Tage später Andrzje, den Gründer dieser Charity.  Obwohl wir uns, sprachlich bedingt (er spricht nur wenig Englisch und ich leider kein Französisch, Russisch, Italienisch oder Polnisch) anfangs nicht viel unterhalten konnten, hat er mich eingeladen sein Haus in Krakau zu besuchen.

Für alle die das nicht wissen, Krakau  und Wien sind nur 400 km voneinander entfernt und so bin ich Anfang Jänner in den Bus gestiegen und wir haben uns in Polen wiedergesehen. Heim gekommen bin ich mit der Entscheidung wieder nach Äthiopien zu gehen und als Volontär bis zum Sommer in Addis Abeba zu arbeiten.

Warum …

Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage. Einerseits glaube ich wirklich, dass alles schon geplant war und dass ich jetzt hier sein soll. Es fühlt sich für mich jedenfalls so an. Als ich wieder nach Äthiopien gekommen bin war es für mich, als wäre ich nie weg gewesen. Alles hier ist so vertraut und normal, ich wundere mich über nichts mehr. Sei es jetzt zu 20igst in einem Bus zu sitzen, der eigentlich für 12 Leute gebaut ist, oder einfach die Tatsache, dass die meisten Menschen hier einfach gastfreundlich sind und dich einladen, obwohl es klar ist, dass sie nicht so viel besitzen wie du. Oder dass du gelobt wirst weil du versuchst ihre Sprache zu sprechen und sei es auch noch so wenig. Oder dass du Freunde findest und andere lieben lernst, obwohl du nur ein paar Wörter mit ihnen sprechen kannst. All diese kleinen Dinge machen das Leben in Äthiopien besonders. Auf jeden Fall aber war es eine Fügung Gottes, ein wahres Wunder eben und deswegen haben wir den Namen für unser Haus ausgewählt.

Wer gehört zu dieser Familie …?

Im Moment leben in diesem Haus 11 Personen. Wir waren aber schon mehr, doch Andrzje, der Gründer der hinter diesem Projekt steht ist letzte Woche nach Italien zu seiner Familie gereist, er wird erst wieder in 3 Monaten kommen

Andrzej

Er hat ein Herz für Menschen mit Behinderung, das kann jeder der ihn zusammen mit den Kindern sieht sofort erkennen. Für mich verfügt er vor allem über viel Erfahrung. Das letzte Monat haben wir gemeinsam zusammengelebt und nicht nur einmal hat man mich gefragt, ob er mein Ehemann ist. Nun gegen Ende dieses Monats haben wir uns schon wirklich gut gekannt. Er würde das zwar niemals zugeben, aber ich wusste jetzt  schon immer, was er mit seinen Worten eigentlich sagen möchte. Oft hatten wir es nicht einfach miteinander, denn wenn ein sturer österreichischer Kopf und ein genauso dickköpfiger polnischer Kopf aufeinander treffen, kann es schon mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen, die wir aber immer schnell lösen konnten. Schließlich hatten wir ein gemeinsames Ziel. Das Haus einzurichten und ein Leben zu gestalten für die Menschen, die darin leben würden. Es war nicht einfach Andrzje Lebewohl zu sagen, aber ich weiß ja, dass er mich gut vorbereitet hat auf das Leben hier ohne ihn und ich freue mich schon jetzt wenn wir uns in Addis wiedersehen.

 

 

Selam

Die nächste Person in unserer  Familie ist Selam, eine junge äthiopische Frau und unsere wunderbare Köchin und Haushälterin. Sie ist meine äthiopische Schwester und wir nennen uns auch gegenseitig so und nicht nur weil wir gleich alt sind. Von Anfang an hat die Chemie zwischen uns gepasst und da sie auch die Einzige ist die zumindest ansatzweise verständliches Englisch sprich,t ist mein Draht zu ihr besonders gut. Seit wir in das Haus gezogen sind ist sie mit dabei und kennt die Kinder genauso lange wie Andrzje und ich. Wir haben viel Spaß zusammen, ich glaube ohne sie würde es gar nicht mehr gehen :)

Ababa

Ababa ist zu uns gekommen, nachdem wir bereits 3 Wochen in dem Haus gewohnt haben. Ihre größte Tugend: Sie hat eine endlose Geduld. Wo ich schon fast am Ausrasten bin, bleibt sie immer noch ruhig und gelassen. Sie nimmt alles mit Humor und die Kinder haben sie sofort ins Herz geschlossen. Sie strahlt eine große Ruhe aus und ich denke, dass es wichtig ist auch so einen Menschen zu haben, der zuhört, der in Ruhe und Gelassenheit die Situation überblickt. Außerdem hat sie viel Erfahrung und man kann sie immer praktische Fragen fragen, die sie sofort nach bestem Wissen beantwortet. Ababa spricht aber kein Englisch und so muss Selam als Übersetzerin agieren. Für mich heißt das “Amharisch lernen!” Damit wir uns bald unterhalten können!

Tadesse

Tadesse ist der Bruder von Deribe und Denka. Er ist der älteste, ich schätze ihn auf so circa 20 Jahre. Kaum zu glauben, dass wir gleich alt sind. Tadesses Markenzeichen:  Sein Lachen. Er spricht nur Oromifa, aber man kann auf jede Frage von ihm ein herzhaftes “YES!” haben, egal, ob die Antwort passend ist oder nicht. Tadesse ist sehr fürsorglich. Besonders mit den jungen Kindern kann er gut umgehen, ja ich bilde mir sogar ein Barfirke hat letztens zu ihm “Papa” gesagt!  Tadesse hat Epilepsie. Er liebt Cola, seitdem ihn Andrzje einmal mit zum Piazza genommen hat, daran erinnert er sich immer wieder und zeigt uns das dann mit Zeichensprache, recht deutlich. Letztens hat er einem jungen Mann, der ihn auf Orominja angesprochen hat erzählt er trinkt keinen Alkohol, denn er ist Protestant. Gut zu wissen!

Deribe

Mit Deribe hab ich mir von Anfang an schwer getan. Sie hat Depressionen und hat am Anfang keinerlei Emotionen gezeigt. Ich wusste nie, geht es ihr gut, ist sie fröhlich, hat sie vielleicht Schmerzen. Auch sie spricht kein Amharisch und so versteht sie meist auch nicht, wenn wir mit ihr sprechen. Besondere Probleme hat sie beim Essen. Sie isst ohne Maß und Ziel, immer viel zu schnell und so, dass alles rund um den Teller verstreut landet. Wenn man sie nicht bremst würde sie nicht aufhören zu Essen. Mittlerweile sind wir schon froh, dass sie am Tisch sitzt und das Essen am Tisch lässt, denn zu Beginn hat sie es einfach auf den Boden geworfen oder ausgespuckt. Mittlwerweile fängt Deribe an Sätze in Oromifa zu sprechen, wir verstehen das dann zwar nicht, aber zumindest spricht sie und reagiert. Sie versteht es nun auch sich bemerkbar zu machen, sei es durch Gesten, oder dadurch, dass sie uns irgendetwas erzählt. Manchmal lächelt sie auch, wenn sie etwas gut kann oder wenn sie sich in Situationen sicher fühlt. Ich denke das sind doch kleine Erfolge.

Denka

Denka ist der jüngste der 3 Geschwister. Er ist wirklich clever. Am Anfang hatten wir große Probleme mit ihm, denn er hat nicht gegessen und vor allem mit der Toilette und dem Bad Probleme. Duschen war eine Strapatze und ein echter Kampf. Die erste Woche war da gar nichts zu machen. Mittlerweile weiß er aber, dass Wasser nicht gefährlich ist und es funktioniert ohne Probleme. Auch sonst ist Denka immer überall dabei auch wenn er ein paar Eifersuchtsprobleme hat. Er liebt es die Aufmerksamkeit zu haben und man muss zusehen, dass man ihm genügend aber nicht zuviel davon gibt. Einmal hatte ich ein Schreckenserlebnis mit Denka, als ich bei ihm Riesenwürmer entdeckt habe. Die siedeln sich im Magen an, wenn man Obst isst, dass nicht gewaschen ist, oder durch nicht sauberes Trinkwasser. Diese können bis zu 30 cm lang werden. Unsere waren (nur!) 15 cm lang. Denka spricht nur Oromifa, aber er kann sich ganz gut ausdrücken und wir müssen mit ihm immer wieder viel lachen! :)

Barfirke

Barfirke ist 4 Jahre alt. Seine Diagnose steht fest: Autismus und Epilepsie. Barfirke lebt in seiner eigenen Welt. Es gibt Tage an denen er sehr langsam reagiert und Probleme mit dem Gleichgewicht hat. Dann fällt er immer wieder hin und tut sich meist weh. Außerdem muss man immer hinter ihm her sein, denn um wahrzunehmen nimmt er alles in den Mund. Letztens habe ich vergessen die Tür zu meinem Zimmer zu schließen und alle meine Bücher lagen dann auf dem Boden und die Klobürste vom Bad auf meinem Bett – Danke Barfirke! :) Er spricht nicht, sondern gibt nur Geräusche von sich und das vor allem wenn er in der Nacht aufwacht und dann alle andern Kinder damit aufweckt. Trotzdem ist er ein wunderschönes Kind und ich hab ihn sehr lieb. Mit ihm hab ich sehr viel Zeit verbracht, weil ich mit ihm ins Krankenhaus musste. Aber wir üben solch Dinge wie alleine zu Essen und auf den Topf zu gehen. Beim Essen muss ich immer aufpassen, denn wenn ich mal wegschaue hat er mir schon das Essen vom Teller geklaut ;)

Binyam

Binyam ist 12 Jahre alt, sieht aber aus wie acht. Er hat Probleme mit seinen Augen und kann deshalb Bewegungen schleht koordinieren, durch einen schiefen Kiefer hat er ebenfalls große Probleme beim Essen. Er ist ein sehr aktives Kind, möchte immer alle Aufgaben übernehmen und überall mithelfen. Außerdem kann er sehr laut und viel lachen und ist auch sensibel, wenn es darum geht die Menschen in seiner Umgebung wahrzunehmen. Durch seinen Kiefer kann er nicht sprechen, sondern gibt nur Laute von sich. Er verständigt sich durch deuten und zeigen, versteht aber Amharisch.

Milen

Milen ist 6 Jahre alt, aber sehr klein und sieht viel jünger aus. Sie ist ein sehr aufgewecktes und vor allem kluges Mädchen. Sie stammt aus dem Westen Äthiopiens, aus Afar und spricht auch diese Sprache. Sie nimmt sehr schnell wahr und spricht alles nach, egal ob Amharisch oder Englisch. Ich versuche deshalb mit ihr Englisch zu reden, damit sie es später vielleicht sprechen kann. Milen wurde sofort von allen ins Herz geschlossen. Sie hat eine so süße und ehrliche Art, dass man sie einfach gern haben muss. Am liebsten würde sie Barfirke den ganzen Tag sagen wohin er gehen soll, oder was er tun muss. Sie lässt sich aber gerne von ihren älteren “Brüdern” umsorgen. Ambase und Tadesse würden alles für “Mili” tun. Letztens war sie nicht in ihrem Bett und wir haben sie schlafend neben Tadesse gefunden. Sie hat gelernt alleine auf den Topf zu gehen und ich bin mir sicher, dass wir sie bald in den Kindergarten schicken können!

Ambase

Ambase ist mein Kind (“Yine Lidsch!”). Dabei ist unser Alterssunterschied gar nicht so groß. Er ist vielleicht 16 Jahre alt, sieht aber aus wie 10. Als er kleiner war wurde er von seiner Familie so vernachlässigt dass er beinahe an Unterernährung gestorben wäre. Angeblich hatte er nur mehr 6 Kilo. Die Folgen dieser Unterernährung sieht man auch heute noch. Er hat einen richtigen Hungerbauch und ganz lange dürre Beine. Ambase ist vor allem beim Essen sehr wählerisch. Er ist ein sehr kluges Kind und muss hauptsächlich als unser Übersetzter fungieren, denn er spricht Amharisch und Oromifa. Er übersetzt für Tadesse, Denka und Deribe. Außerdem kann er durch sein Zusammenleben mit den Comboni – Schwestern in der Vergangenheit ein bisschen Englsich und Italienisch sprechen. Natürlich muss er viel Verantwortung im Haus übernehmen, weil wir uns auf ihn verlassen können. Gleichzeitig braucht er sehr viel Nähe und Liebe, die er auch sucht.

Rahel

Rahel ist 8 Monate alt. Sie wurde mit einem Monat ausgesetzt  Sie sollte schon zur Adoption freigegeben werden, als man entdeckt hat, dass sie an Mikrozephalie leidet, wie auch Tadesse und Denka. Hier hat der Kopf einen kleineren Umfang als bei einem gesunden Menschen und das Gehirn deswegen weniger Platz (genauere Infos http://de.wikipedia.org/wiki/Mikrozephalie). Rahel will am liebsten den ganzen Tag gehalten oder getragen werden, vor allem in den Nächten hat sie es uns nicht einfach gemacht. Aber wenn sie lächelt ist die Müdigkeit meist schnell vergessen.

Das ist also die Familie, in der ich im Moment lebe. Wie in jeder Familie geht es mal auf und mal ab, es gibt gute Tage und schlechte Tage. Auch muss das Zusammenleben erst gebübt werden, schließlich kommen viele verschiedene Charakteren zusammen und leben auf engem Raum gemeinsam.

Zukunft …

Der Plam für die Zukunft ist, dass diese Kinder als Familie zusammen leben können und glücklich sind. Sie sollen einen Tagesablauf haben, ernen sich im Leben zurecht zufinden, richtig zu Essen, sich zu waschen, “Lifeskills” wie Zähneputzen, Pyjama anziehen, die Toilette richtig benutzen. Aber auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen. Spielen, Lernen, die Kinder sollen so gut wie möglich gefördert werden.